Sind die Sommer in Deutschland heute wirklich heißer als früher?
Kurzantwort: Ja. Auch früher gab es heiße Tage und außergewöhnlich heiße Sommer. Der entscheidende Unterschied ist aber, dass hohe Temperaturen heute im Durchschnitt deutlich häufiger und über längere Zeit auftreten. Das ist in den Messreihen des Deutschen Wetterdienstes klar erkennbar.
Stand: 9. August 2026. Berücksichtigt sind nur vollständig abgeschlossene Sommer bis einschließlich 2025. Betrachtet wird Deutschland als Ganzes.
Was der Satz „Früher war es auch schon heiß“ übersieht
Der Satz ist wörtlich genommen richtig. Wetter schwankt stark, und auch in einem kühleren Klima sind einzelne Hitzetage oder sehr warme Sommer möglich. Der Sommer 1947 gehört beispielsweise weiterhin zu den sehr warmen Sommern der deutschen Messreihe.
Klima beschreibt jedoch nicht einen einzelnen Tag, sondern die statistischen Eigenschaften des Wetters über viele Jahre: Mittelwerte, Häufigkeiten und Extreme. Die sachlich richtige Frage lautet daher nicht: „Gab es früher jemals 30 °C?“, sondern: „Wie häufig, wie lange und wie flächendeckend tritt Hitze auf?“
Der direkte 20-Jahres-Vergleich
Die folgende Tabelle vergleicht zwei gleich lange Zeiträume. Die Werte sind eigene Berechnungen aus den amtlichen Deutschland-Gebietsmitteln des DWD.
| Indikator | 1951–1970 | 2006–2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Mittlere Sommertemperatur (Juni–August) | 16,19 °C | 17,98 °C | +1,79 °C |
| Sommertage pro Jahr (Maximum mindestens 25 °C) | 25,5 | 44,2 | +18,7 Tage / +73 % |
| Heiße Tage pro Jahr (Maximum mindestens 30 °C) | 3,7 | 10,5 | +6,7 Tage / Faktor 2,8 |
| Tropennächte pro Jahr (Minimum mindestens 20 °C) | 0,14 | 0,42 | etwa Faktor 3¹ |
Ein Anstieg des Sommermittels um 1,79 °C bedeutet nicht bloß einen einzelnen heißen Nachmittag. Er betrifft den Mittelwert aller Tage und Nächte der drei Sommermonate über ganz Deutschland.
Auch der vom DWD und der Weltorganisation für Meteorologie bevorzugte Vergleich von 30-Jahres-Zeiträumen bestätigt das Bild: Von 1961–1990 zu 1991–2020 stieg die mittlere Sommertemperatur um 1,29 °C, die Zahl der Heißen Tage von 4,2 auf 8,9 und die Zahl der Sommertage von 27,3 auf 39,8 pro Jahr.
¹ Das Deutschland-Flächenmittel unterschätzt Tropennächte in Städten deutlich. Dort verhindern Gebäude und versiegelte Flächen häufiger die nächtliche Abkühlung. Außerdem schwankt dieser bundesweite, noch seltene Indikator stark.
Die letzten 20 abgeschlossenen Sommer im Einzelnen
Die jährlichen Schwankungen sind weiterhin groß. Gerade das ist wichtig: Der Klimawandel macht nicht automatisch jedes Jahr wärmer als das vorherige.
| Jahr | Sommermittel | Heiße Tage im Jahr |
|---|---|---|
| 2006 | 18,12 °C | 14,3 |
| 2007 | 17,16 °C | 4,8 |
| 2008 | 17,45 °C | 7,2 |
| 2009 | 17,16 °C | 4,6 |
| 2010 | 17,79 °C | 10,6 |
| 2011 | 16,79 °C | 4,3 |
| 2012 | 17,10 °C | 7,6 |
| 2013 | 17,68 °C | 10,5 |
| 2014 | 17,12 °C | 6,1 |
| 2015 | 18,36 °C | 17,6 |
| 2016 | 17,77 °C | 9,2 |
| 2017 | 17,90 °C | 6,8 |
| 2018 | 19,31 °C | 20,4 |
| 2019 | 19,25 °C | 17,0 |
| 2020 | 18,18 °C | 11,4 |
| 2021 | 17,92 °C | 4,5 |
| 2022 | 19,23 °C | 17,3 |
| 2023 | 18,51 °C | 11,5 |
| 2024 | 18,48 °C | 12,5 |
| 2025 | 18,28 °C | 11,1 |
Wichtig: Die Sommertemperatur bezieht sich ausschließlich auf Juni bis August. Die „Heißen Tage“ sind ein Jahresindikator; sie fallen überwiegend in die warme Jahreszeit, können aber auch außerhalb dieser drei Monate auftreten. Dezimalstellen entstehen, weil der DWD die Werte über die Fläche Deutschlands mittelt.
Was die lange Messreihe zeigt
- Die DWD-Sommertemperatur reicht bis 1881 zurück. Nach der vom DWD verwendeten geglätteten Trendmethode hat sich der deutsche Sommer bis 2025 um 2,5 °C erwärmt.
- Der Sommer 2003 ist weiterhin der wärmste seit 1881; danach folgen 2018, 2019 und 2022.
- Nach Angaben des Umweltbundesamtes war 1996 der letzte Sommer, der noch etwas unter dem 30-jährigen Mittel von 1961–1990 lag.
- Der DWD beziffert den geglätteten aktuellen Wert auf rund zwölf Heiße Tage pro Jahr, gegenüber ungefähr vier Tagen in den 1950er-Jahren. Auch markante Hitzeperioden haben in Häufigkeit und Intensität zugenommen.
- Das Umweltbundesamt stellt fest, dass die zehn Jahre mit den meisten Heißen Tagen alle seit 1994 aufgetreten sind.
Damit ist beides gleichzeitig wahr: Es gab schon früher Hitze, und heiße Witterung ist heute wesentlich wahrscheinlicher geworden.
Ist das nur ein Effekt veränderter Messstationen?
Nach Angaben des DWD nein. Für das Deutschlandmittel werden nicht einfach alle Stationen direkt gemittelt. Zunächst wird ein regelmäßiges Temperaturraster mit einer Auflösung von 1 × 1 Kilometer berechnet; dabei wird unter anderem die Höhenlage berücksichtigt. Dadurch soll der Einfluss eines veränderten Messnetzes minimiert werden. Vergleichbare Erwärmungstrends zeigen sich laut DWD auch an unbeeinflussten ländlichen Stationen mit gleichbleibendem Standort.
Bei Tropennächten besteht eher das umgekehrte Problem: Städte sind im Messnetz unterrepräsentiert, weshalb das bundesweite Gebietsmittel die tatsächliche städtische Belastung unterschätzt.
Was lässt sich über die Ursache sagen?
Die Messdaten allein zeigen zunächst die Veränderung. Für die Ursache ist der gesamte Forschungsstand entscheidend. Der DWD nennt den vom Menschen verursachten Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen durch Emissionen aus unter anderem Industrie, Verkehr, Landwirtschaft und Haushalten als wesentlichen Treiber der gegenwärtigen Erwärmung. Natürliche Schwankungen wirken weiterhin von Jahr zu Jahr, erklären aber nicht den langfristigen, über viele Jahrzehnte beobachteten Anstieg.
Faire Schlussfolgerung für eine Diskussion
Eine belastbare Formulierung lautet:
„Natürlich gab es auch früher einzelne heiße Tage und heiße Sommer. Der Klimawandel zeigt sich nicht daran, dass Hitze früher unmöglich war, sondern daran, dass sich die gesamte Temperaturverteilung verschoben hat: Der deutsche Sommer ist im Mittel wärmer, Sommer- und Hitzetage treten deutlich häufiger auf, und mehrere der stärksten Sommer häufen sich in der jüngeren Vergangenheit.“
Nicht durch die Daten gedeckt wäre dagegen die Behauptung, jeder heutige Sommer sei heißer als jeder frühere oder jedes konkrete Hitzeereignis habe nur eine einzige Ursache.
Methodik
Die Periodenmittel dieser Seite wurden aus den jährlichen Gebietsmitteln des DWD arithmetisch berechnet. Die Temperaturreihe beginnt 1881. Für Kenntage wie Sommer- und Heiße Tage nutzt der DWD die Reihe ab 1951, weil für frühere Jahrzehnte nicht ausreichend flächendeckende digitalisierte Tageswerte vorliegen. Der DWD nutzt für seine offiziellen aktuellen Klimasignale eine geglättete lokale lineare Regression (LOESS) mit einem 42-jährigen Fenster; deshalb kann deren aktueller Wert von einem einfachen 20-Jahres-Mittel abweichen.
Quellen
Alle Quellen wurden am 9. August 2026 abgerufen.
- Deutscher Wetterdienst (DWD): Gebietsmittel der Sommertemperatur, 1881–2025. Rohdaten: https://opendata.dwd.de/climate_environment/CDC/regional_averages_DE/seasonal/air_temperature_mean/regional_averages_tm_summer.txt
- DWD: Gebietsmittel der Heißen Tage, 1951–2025. Rohdaten: https://opendata.dwd.de/climate_environment/CDC/regional_averages_DE/annual/hot_days/regional_averages_txbs_year.txt
- DWD: Gebietsmittel der Sommertage, 1951–2025. Rohdaten: https://opendata.dwd.de/climate_environment/CDC/regional_averages_DE/annual/summer_days/regional_averages_txas_year.txt
- DWD: Gebietsmittel der Tropennächte, 1951–2025. Rohdaten: https://opendata.dwd.de/climate_environment/CDC/regional_averages_DE/annual/tropical_nights_tminGE20/regional_averages_tnes_year.txt
- DWD: „Zeitreihen und Trends – häufige Fragen“. Methodik, Messnetz, Referenzzeiträume und Datenverfügbarkeit: https://www.dwd.de/DE/leistungen/zeitreihen/fragen_zeitreihen.html
- DWD: „Klimawandel – Die Klimaentwicklung in Deutschland“. Aktuelle Einordnung zu Temperatur, Heißen Tagen und Ursachen: https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimawandel/klimawandel_node.html
- Umweltbundesamt: „Trends der Lufttemperatur“. Jahreszeitliche Trends und Einordnung des Sommers 2025: https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/klima/trends-der-lufttemperatur
- Umweltbundesamt: „Indikator: Heiße Tage“. Entwicklung und Definition: https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-heisse-tage
- Umweltbundesamt: „GE-I-1: Hitzebelastung“. Tropennächte, Gesundheitsbezug und Einschränkungen des Deutschlandmittels: https://www.umweltbundesamt.de/monitoring-zur-das/handlungsfelder/gesundheit/ge-i-1/indikator
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